Diakonie fordert: Eltern mit Frühgeborenen besser absichern und begleiten
Sozialexperte Schenk verweist auf erhöhten Begleitungs- und Betreuungsbedarf
Wien (epdÖ) – Rund sieben Prozent der Kinder in Österreich, das sind mehr als 5.000, kommen jährlich als Frühgeborene zur Welt. Weltweit ist jedes zehnte Kind ein „Frühchen“. In einer aktuellen Aussendung der Diakonie weist Martin Schenk auf diesbezüglich fehlende soziale Rahmenbedingungen hierzulande hin: „Es braucht dringend Hilfen für Frühchen-Eltern, die ihren erhöhten Begleitungs- und Betreuungsbedarf berücksichtigen“, so der Psychologe und Diakonie-Sozialexperte. Als Frühchen bezeichnet man all jene Kinder, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Die meisten von ihnen wiegen bei der Geburt weniger als 2.500 Gramm.
Die von der Diakonie geforderte Unterstützung betrifft eine an den errechneten Geburtstermin angepasste Laufzeit bei Karenz, Kinderbetreuungsgeld und benötigten Hilfsmitteln. „Weiters sollte mit einer erhöhten Familienbeihilfe für Extrem-Frühchen oder kranke Neugeborene die Zeit des erhöhten Pflegeaufwandes, z.B. bei Atemproblemen, Trinkschwäche oder Entwicklungsverzögerung anerkannt werden“, so der Appell Schenks. „Wenn ein Baby als Frühchen auf die Welt kommt, stehen Eltern plötzlich vor ganz neuen Fragen“, gibt der Experte zu Bedenken.
Benachteiligungen beseitigen
Nach wie vor seien Eltern von Frühgeborenen bei den geltenden Regelungen zu Kinderbetreuungsgeld und Karenz benachteiligt. „Frühchen-Eltern oder Eltern kranker Neugeborener verbringen bis zu vier und mehr Monaten nach der Geburt zunächst in der Klinik, während Eltern Reifgeborener ihre Kinder meist 14 Monate zu Hause betreuen können“, heißt es in der Aussendung. Die Monate in der Klinik fehlten am Ende und Frühchen-Eltern könnten die aufgrund von Entwicklungsverzögerungen längere häusliche Betreuung nicht wahrnehmen.
Um diese Benachteiligung zu beheben, bedarf es laut Diakonie einer Anpassung von Karenzzeiten und Kinderbetreuungsgeld, die ab dem errechneten Geburtstermin greift und den individuellen Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigt. Dies gelte auch für die Bewilligung von medizinischen Hilfsmitteln wie Milchpumpe oder Babywaage.
Was den erhöhten Pflegeaufwand von Frühchen betrifft, schlägt die Diakonie vor, dass sie in Form von einer Anerkennung von Pflegegeld wie in Deutschland, oder dem Anspruch auf die erhöhte Familienbeihilfe für Extrem-Frühchen abgegolten werden solle.
Weiterentwicklung der Frühen Hilfen zu allgemeinen Kinder-Hilfen
Die bereits bestehenden „Frühen Hilfen“ von 0-3 Jahren sollten zu allgemeinen Kinder-Hilfen auf 3-6 Jahre weiterentwickelt werden, schlägt Schenk darüber hinaus vor. So könnten die miteinander verbundenen „Präventionsketten“ verlässlich ineinander greifen.
Neuer Online Ratgeber „Kinder stärken“
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