Leben feiern

 
von Evangelischer Pressedienst

Michael Chalupka würdigt Gerlinde Horn, Gründerin des „Häferl“

Hunderte Menschen haben diese Woche am Wiener Zentralfriedhof von Gerlinde Horn Abschied genommen: Darunter ihr Mann, ihre Kinder und Enkelkinder, viele Freundinnen und Kollegen aus vielen Zusammenhängen. Sie haben Abschied genommen von einer starken, bemerkenswerten, bewundernswerten, aber vor allem liebenswerten Frau.

Nach der Sommerpause werden ab Anfang September hunderte Menschen ihrer im „Häferl“, dem Armenwirtshaus der Diakonie in Gumpendorf, gedenken. Am Anfang dieser Wiener Institution stand Gerlinde Horn. Seit 1989 wird hier von Donnerstag bis Sonntag täglich warmes Essen gekocht und ab Punkt zwölf Uhr Menschen an den Tisch serviert, für die das alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Anfangs waren es vor allem Haftentlassene, mit der Zeit immer mehr von Wohnungslosigkeit und Armut Betroffene. 20 Tonnen Lebensmittel- und selbstlose Geldspenden machen es möglich, bis zu 400 Menschen pro Tag zu versorgen.

Viele unter den Gästen werden Gerlinde Horn nicht mehr persönlich gekannt haben, und dennoch muss an sie nicht erinnert werden. Sie braucht kein Denkmal und keine Gedenktafel. Denn in jeder zuvorkommenden Geste, in jeder respektvollen Frage, in jedem Gespräch, in jedem Lächeln, das geschenkt wird, und in jeder Träne, die vergossen werden wird, wird sie gegenwärtig sein. Im „Häferl“ wird das Leben gefeiert. Das Leben, das stärker ist als der Tod.

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