Richter: Neuanfang vor Gott “kann und darf es jeden Tag geben”

 
von Evangelischer Pressedienst

Bischöfin beleuchtete bei „Disputationes Salzburg 2026“ Dimensionen der Erlösung

Salzburg (epdÖ) – „Versöhnung und Vergebung sind nur möglich, wenn wir uns konfrontieren mit dem, was war.“ Das unterstrich Bischöfin Cornelia Richter am dritten und letzten Tag der Reihe der „Disputationes Salzburg 2026“ zum Thema „Hoffnung, Zweifel und Leben als Dimensionen der Erlösung“.

Beides – Versöhnung und Vergebung – seien von der Schöpfung Gottes her auf den Menschen hin zu verstehen, „also auf unser Leben im Hier und Jetzt – weshalb die Fähigkeit und die Bereitschaft, anderen Menschen zu vergeben, eine Konsequenz der Versöhnungslehre ist“, erklärte die evangelisch-lutherische Bischöfin bei ihrem Vortrag unter dem Titel „Die Soteriologie als gedankliches Zentrum der Glaubenslehre und als tragender Grund menschlichen Lebens“. Der theologische Begriff der Soteriologie – die Lehre von der Erlösung und dem Heil des Menschen – beziehe sich Richter zufolge auf die genuine Wahrheit Gottes selbst, d.h. die Erlösung sei “nicht ein Werk, das ihm von außen oder kontingent – zufällig – zukommt, sondern in der Soteriologie bringt sich Gott selbst zum Ausdruck.“

Hierbei gehe es um ein „Heilshandeln Gottes, das wir nicht immer verstehen und dessen letzte Realisierung und Vollendung definitiv noch ausstehen“, sagte Richter. Dass „niemand in der Scham versinken“ müsse, sei das Faszinierende und „definitiv Resilienz Förderliche“ am christlichen Glauben. „Vor Gott kann und darf es jeden Tag aufs Neue einen Neuanfang geben. Ob in der ehrlich vorgebrachten Bitte um Vergebung oder in der schlichten Zuwendung des Anderen“, betonte die Bischöfin.

Das „Wunder der Versöhnung“ geschehe leichter, wo Menschen an sich selbst versöhnendes Handeln erfahren und gelernt haben, dass Versöhnung möglich sei. „Deshalb ist es gut, dass wir in einer Tradition leben, in der Versöhnung und Erlösung im Zentrum stehen“, hob Richter hervor. „Mit unserer Tradition wüsste ich nicht anders zu leben als aus einem Vertrauen und aus einer Hoffnung, die im Hier und Jetzt trägt und zugleich weit über unser menschliches Leben hinausweist“, so die Bischöfin.

Die Sozialneurowissenschaftlerin und Psychologin Tania Singer beleuchtete beim dritten Teil der „Disputationes Salzburg 2026“ die neurobiologischen Grundlagen von Mitgefühl und Empathie. Die abschließende Diskussion wurde von der Wissenschaftsjournalistin Elisabeth J. Nöstlinger-Jochum moderiert.

„Miserere – Erbarmen. Vergebung. Erlösung“

Die Veranstalter:innen der „Disputationes Salzburg 2026“ hatten in der Eröffnungswoche der Salzburger Festspiele vom 20. bis 22. Juli zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Theologie, Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften in die SalzburgKulisse im Haus für Mozart eingeladen. Die Diskursreihe begleitete die „Ouverture spirituelle“ der Salzburger Festspiele und widmete sich heuer schwerpunktmäßig dem Thema „Miserere – Erbarmen. Vergebung. Erlösung“. Die Vortragenden gaben Impulse aus verschiedenen Denkrichtungen. Zudem war das Publikum eingeladen, Fragen zu stellen. Eröffnet wurde die Reihe am 20. Juli vom katholischen Salzburger Erzbischof Franz Lackner mit einer Einführung.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 haben sich die „Disputationes Salzburg“ im Rahmen der „Ouverture Spirituelle“ zu einem fixen Bestandteil der Salzburger Festspielsaison entwickelt. Sie verstehen sich als interdisziplinäres Forum für den Dialog zwischen Wissenschaft, Religion und Gesellschaft. Die jährliche Veranstaltungsreihe widmete sich bereits dem Judentum, dem Buddhismus, dem Islam, den indischen Philosophien sowie der Vielfalt der christlichen Kirche des Ostens. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, grundlegende Fragen menschlicher Existenz aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und spirituellen Perspektiven zu erörtern.

In den letzten Jahren sprachen bereits über 140 Vertreter:innen der großen Weltreligionen und Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft über die Wirkung von Kultur und Religion auf den Menschen, über spirituelle Momente in der Kunst, über Gemeinsames und Trennendes in Musik und Mystik verschiedener Glaubensrichtungen sowie über die großen Fragen der Menschheit nach Herkunft und Endlichkeit. (Info: https://www.disputationes.at)

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