Schweigen

 
von Evangelischer Pressedienst

Michael Chalupka über ein rechtes Fasten, das die Ohren schont

Die Fastenzeit oder Passionszeit beginnt traditionell mit dem Heringsschmaus am Aschermittwoch. Noch einmal schmausen vor der Enthaltsamkeit. Für manche Politiker beginnt die Fastenzeit mit ihren Aschermittwochsreden. Da kann man den Eindruck haben, sie müssten sich noch einmal all dessen entäußern, was in ihnen ist.

Die Bibel weiß hier Rat. Das Buch Jesus Sirach im Alten Testament lehrt uns das rechte Fasten und den Verzicht auf etwas, was aus uns herausdrängt. „Hörst Du etwas Böses, das schwatze nicht nach, denn solches Schweigen schadet Dir nichts“, heißt es dort. Die üble Nachrede, die Unterstellung und die Verächtlichmachung anderer haben ja gerade Hochkonjunktur. Da werden die Namen politischer Gegner verballhornt, Gerüchte gestreut und auch manchmal die Unwahrheit in Kauf genommen, um eine Pointe zu setzen. Die Verbreitung erfolgt in zweifacher Weise. Zum einen in rasender Geschwindigkeit über die Medien, zum anderen durchs Weitertratschen. Das ist die übelste Methode. Denn wenn eine Lüge oft genug weitererzählt wird, wird sie am Ende geglaubt.

Deshalb fasten wir und helfen einfach nicht mit, Niederträchtiges zu verbreiten. Denn solches Schweigen kann sicher nicht schaden. Vielleicht schließen sich unserem Fasten ja dann auch einige Spötter und Vielredner an, zumindest bis Ostern. Das wäre ein rechtes Fasten, das die Ohren schont und den Magen entlastet.

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