VEPPÖ-Hauptversammlung in Frankenfels zu aktuellen Themen
Golser Pfarrerin Iris Haidvogel als Obfrau wiedergewählt
Frankenfels (epdÖ) – Arbeitszeit, chronische Krankheiten und Rechtsschutz: Das waren die Hauptthemen, die bei der diesjährigen Hauptversammlung des „Vereins Evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Österreich“ (VEPPÖ) am Dienstag, 1. September, in Frankenfels (NÖ) behandelt wurden. In ihrem Jahresbericht präsentierten die Obfrau der Standesvertretung evangelischer Pfarrer:innen, Iris Haidvogel, und die 1. Obfraustellvertreterin Birgit Meindl-Dröthandl einige Punkte, „bei denen sich im vergangenen Jahr etwas bewegt hat – und auf einige, bei denen sich aus unserer Sicht noch deutlich mehr bewegen muss“.
Modell zur Planung, Beschreibung und Begrenzung der Arbeitszeit
Im Hinblick auf den umfassenden Themenbereich Arbeitszeiten und Aufgabenbereiche erinnerte Obfrau Haidvogel an die letzte Hauptversammlung im Herbst 2025. Hier erfolgte der Startschuss, an einem österreichischen Modell zur Planung, Beschreibung und Begrenzung der Arbeitszeit von Pfarrer:innen zu arbeiten. Die Obfrau verwies auf diesbezüglich „wichtige erste Schritte“, wie einen Studientag, Gespräche mit der Kirchenleitung, erste konkrete Planungen für Workshops „und ein Gespräch mit unserer Bischöfin konkret zu diesem Thema im Herbst“. Wesentlich dabei sei es, „sichtbar zu machen, was wir eigentlich tun“, betonte Haidvogel. Denn über das, was sichtbar ist, könne man auch sprechen. Etwa „über Erwartungen und darüber, ob sie realistisch sind. Über Veränderungen und darüber, was sie an zusätzlicher Arbeit bedeuten.“
Ein Arbeitszeitmodell mache nicht nur Belastung sichtbar, sondern auch „die enorme Leistung, die tagtäglich erbracht wird – die viele Erfahrung, das große Engagement und all die Arbeit, die oft ungesehen bleibt“, befand Haidvogel. Diese Transparenz mache es auch für die Pfarrgemeinden leichter, denn ein solches Modell schaffe Sprachfähigkeit über das, was eine Pfarrperson leistet und leisten kann. Damit könnten Pfarrer:innen und Gemeindeleitung gemeinsam priorisieren, so die VEPPÖ-Obfrau: „Vielleicht sagen wir miteinander: Die monatlichen Konfi-Samstage sind ein Herzstück unserer Gemeindearbeit – genau dafür wollen wir bewusst Zeit unserer Pfarrperson vorsehen. Prioritäten setzen heißt dann aber auch, anderes nicht zu tun.“
Unterstützung bei chronischen Krankheiten
1. Obfraustellvertreterin Meindl-Dröthandl widmete sich einem Thema, „das uns als Kirche und als Arbeitgeberin stärker beschäftigen muss: die Arbeitsbedingungen von Pfarrpersonen mit Behinderung, chronischer Erkrankung oder Neurodivergenz“. Die Wiener Pfarrerin erinnerte daran, dass die Kirche als Arbeitgeberin eine gesetzliche Fürsorgepflicht habe. „Für uns bedeutet das konkret: Wir müssen über Barrierefreiheit, geeignete Arbeitsplätze, technische Hilfsmittel, flexible Arbeitszeiten, Teilzeit oder Homeoffice und psychosoziale Unterstützung sprechen“, so Meindl-Dröthandl. Deshalb entwickle der VEPPÖ gerade einen Fragenkatalog, der anschließend an die Pfarrpersonen gehen wird. „Wir wollen damit systematisch erfahren, wo es Barrieren gibt, welche Unterstützung benötigt wird und welche Erfahrungen Pfarrpersonen mit Behinderung, chronischer Erkrankung oder anderen gesundheitlichen Belastungen machen.“
Zum Thema Rechtsschutz für Pfarrer:innen erinnerte die 1. Obfraustellvertreterin an das Anliegen des VEPPÖ, angesprochen bereits bei der letzten Hauptversammlung im Herbst 2025: „Pfarrpersonen sollen auch bei rechtlichen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit ihrem Dienst verlässlich abgesichert sein und nicht plötzlich vor erheblichen Anwalts- und Verfahrenskosten stehen“, unterstrich Meindl-Dröthandl. Die Standesvertretung begrüße, dass die Möglichkeit eines entsprechenden Versicherungsschutzes inzwischen geprüft werde. „Weniger zufrieden sind wir damit, dass wir seit rund einem dreiviertel Jahr auf das Ergebnis dieser Prüfung warten“, verlieh sie der Forderung Ausdruck.
Haidvogel: Arbeitszeit, Amtsaufträge und mehr als „Herzensthemen“
Iris Haidvogel war 2023 als Nachfolgerin von Pfarrer Stefan Schumann zur Obfrau des VEPPÖ gewählt worden. Nach dem turnusmäßigen Ablauf ihrer Amtszeit stellte sie sich nun neuerlich der Wahl zur Obfrau und wurde mit überwältigender Mehrheit der Stimmen bestätigt. „Wie Kirche mit den Menschen umgeht, die für sie arbeiten, sagt etwas darüber aus, welche Kirche sie ist“, zeigt sich Haidvogel überzeugt. Themen wie Arbeitszeit, Amtsaufträge, Urlaub, Fürsorge, Krankheit und Behinderung, Macht und Verantwortung seien für sie keine organisatorischen Nebenthemen, sondern „Herzensthemen“. So zeigte sich die wiedergewählte Obfrau „dankbar für das gezeigte Vertrauen in mich durch meine Wiederwahl“ und betonte, dass sie sich freue, auch weiterhin „gemeinsam mit dem gesamten Vorstand des VEPPÖ die Interessen der Pfarrerinnen und Pfarrer in unserer Kirche zu vertreten“.
Die Jahreshauptversammlung des VEPPÖ fand im Rahmen der jährlichen Pfarrer:innentagung der evangelischen Kirchen im niederösterreichischen Frankenfels statt. Weitere Informationen auf: veppoe.at