Wien: Friedensappelle von Religionsvertretern bei Peacewave Festival

 
von Evangelischer Pressedienst

Superintendent Geist: Friede und Bewahrung der Schöpfung gehören zusammen

Wien (epdÖ) Im Zeichen des länder- und religionsübergreifenden Einsatzes für den Frieden stand am Ostermontag das Peacewave-Festival in Wien. Die Veranstaltung begann mit einem Friedensmarsch vom Schwedenplatz zum Heldenplatz, wo sich das Programm aus Reden und Musik fortsetzte. Höhepunkt war ein abendliches Lichtermeer. Mit dabei waren vonseiten der Kirchen und Religionen u. a. der evangelische Superintendent Matthias Geist, der katholische Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky, Oberrabbiner Jaron Engelmayer, Imam Ermin Šehić von der Islamischen Glaubensgemeinschaft und Hatice Sahin von den Frei-Aleviten Österreich.

Alle, die zu dieser Veranstaltung gekommen sind, zeigten, „dass wir einander nicht egal sind, dass uns diese Welt nicht egal ist“, betonte Geist: „Wenn wir über Frieden sprechen, dann meinen wir oft das Große: das Ende von Kriegen, das Schweigen der Waffen. Aber Frieden beginnt viel näher. Er beginnt im Alltag. Zum Beispiel dort, wo jemand nicht zurückschlägt – weder mit Worten noch mit Gesten. Wo jemand widerspricht, ohne zu entwerten. Wo jemand teilt, statt nur für sich zu behalten.“

Auch die Bewahrung der Schöpfung sei nichts Abstraktes. Sie beginne nicht erst bei großen Konferenzen, sondern bei kleinen Entscheidungen: „Wie wir mit Lebensmitteln umgehen. Ob wir Ressourcen verschwenden oder achtsam nutzen. Ob wir hinsehen, wenn Natur zerstört wird – oder wegschauen“, plädierte der Superintendent für Handeln im Alltag. Er wies auch darauf hin, dass Friede und Bewahrung der Schöpfung zusammenhängen: „Denn eine Welt, die ausgebeutet wird, wird selten eine friedliche sein“.

Als Christ glaube er, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes sei. Das bedeute: „Jeder Mensch trägt Würde – unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebensgeschichte. Wir sind Teil einer großen Menschheitsfamilie.“ Darum beginne Frieden im Kleinen – aber er bleibe dort nicht stehen, so der Superintendent: „Er wächst, wo Menschen einander Raum geben. Er wächst, wo Grenzen nicht zu Mauern werden. Er wächst, wo wir das Leben schützen – in all seinen Formen.“

Turnovszky: Kriege keine Lösung, „sondern eine Ursache neuer und schlimmerer Probleme“

Der römisch-katholische Wiener Weihbischof Turnovszky richtete am Heldenplatz einen eindringlichen Appell an die Bundesregierung: „Bitte setzen Sie sich mit aller Kraft für Friedensvermittlungen ein, stehen Sie auch nach außen klar und unerschrocken für weltweite Solidarität für Frieden, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.“ Aus christlicher Sicht und weit darüber hinaus sei Gottes Wesen Liebe. „Wir Menschen leben nicht zufällig oder sinnlos, sondern auf ein Ziel hin, nämlich die Anteilnahme an Gottes unermesslicher Liebe“, sagte der Bischof. So lauteten auch die ersten Worte des auferstandenen Jesus „Friede sei mit euch!“

Um Kriege abzulehnen, bedürfe es aber keiner religiösen Überzeugung, so der Weihbischof weiter, das sei auch der Vernunft einleuchtend: „Kriege führen zu einem Kreislauf aus Gewalt. Sie sind keine Lösung, sondern eine Ursache neuer und schlimmerer Probleme.“ Sie seien u. a. wirtschaftlich und ökologisch unvernünftig, meinte Turnovszky, der auch die Waffenindustrie scharf kritisierte.

Das „Peace Wave“-Festival fand heuer zum dritten, gleichzeitig auch letzten Mal statt. Initiiert wurde es von Isabella Haschke. Grundgedanke der Initiative sei es, sowohl religiöse Menschen als auch Personen ohne Bekenntnis im Mitgefühl zu verbinden, erklärte die Ärztin. Denn dieses „verbindet uns als Menschenfamilie“.

https://www.peacewavefestival.org/programm2026

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