Muskelspiele
Michael Chalupka über den Machtmissbrauch von Religion
Wer weiß, vielleicht hat ein blutiger Schlächter wie der oberste Führer des Iran, Ali Chamenei, in seinem Wahn wirklich geglaubt, dass Gott durch ihn spräche. Glaube und Religion werden immer wieder dazu missbraucht, machtpolitische Grausamkeit zu legitimieren. Der US-amerikanische Kriegsminister Pete Hegseth hat auf seinem rechten Bizeps ein Tattoo mit den Lettern: „Deus vult!“ – „Gott will es“, einem Schlachtruf aus den Kreuzzügen.
Ich halte mich da lieber an den Sänger und Poeten Bob Dylan. In seinem Lied „God is on our side“ – „Gott ist auf unserer Seite“ erzählt Bob Dylan in sieben Strophen von den Kriegen der USA und was er als Schüler gelernt hat: dass diese Kriege ihre Gründe gehabt haben mögen, aber die kritischen Fragen, die sich stellten, mit der Formel „Gott ist auf unserer Seite“ beiseite gewischt wurden.
In der achten Strophe erzählt er von Judas, der Jesus mit einem Kuss betrogen hat, in der Überzeugung, Gottes Willen zu erfüllen. „Hatte Judas Gott auf seiner Seite?“ fragt Bob Dylan. In einer einzigen Strophe entlarvt der Dichter das Denken, dass, wer Gott an seiner Seite wähnt und für sich reklamiert, meint, er könne dadurch unschuldig bleiben und sein Gewissen entlasten.
Das Lied, das Gedicht endet mit den Worten: „Wenn Gott an unserer Seite ist, wird er den nächsten Krieg beenden.“ Und Bob Dylan beendet ein für alle Mal das Denken, dass Gott an der Seite des Krieges zu finden ist.