Feierliche Amtsübergabe an der Spitze der GEKE in Wien

 
von Evangelischer Pressedienst

Susanne Schenk folgt als Generalsekretärin der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa auf Mario Fischer

Wien (epdÖ) – Bei einem feierlichen Gottesdienst in der Lutherkirche in Wien-Währing wurde am Montagabend, 27. April, die neue Generalsekretärin der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), Susanne Schenk, in ihr Amt eingeführt. Sie übernimmt das Leitungsamt von Mario Fischer, der im Gottesdienst feierlich entpflichtet wurde. Fischer leitete als Generalsekretär die Geschäftsstelle der GEKE seit 2019 und wechselt nun an das Konfessionskundliche Institut in Bensheim (D). Geprägt war der Gottesdienst, an dem kirchenleitende Personen aus verschiedenen Teilen Europas teilnahmen, vom Dank an den scheidenden Generalsekretär und den Glückwünschen für die neue Generalsekretärin.

„Christus ist mitten unter uns – oft unerkannt, und doch geht er mit uns auf dem Weg.“ Diesen Leitgedanken der biblischen Emmaus-Erzählung stellten Fischer und Schenk ins Zentrum ihrer Dialogpredigt, die sie an verschiedenen Stationen der Kirche hielten. „Christen sind die, die sich auf den Weg machen, sie sind gemeinsam auf dem Weg“, sagte Mario Fischer. Und die Verantwortung, zu der Christen gerufen seien, sei eher „Weggemeinschaft statt Herrschaftsanspruch“, meinte Susanne Schenk. An der Emmaus-Geschichte zeige sich: „Aus Verwirrung wird Verstehen“. Es brauche diesen „Weg hinunter in unseren Alltag, damit uns bewusst wird, wie eine Einsicht unser Leben und unseren Alltag verändert“, sagte Mario Fischer. „Eine Gemeinschaft, die vom Himmel gespeist wird, trägt bis in die Tiefe. Auch ganz unten“, bekräftigte Schenk. Sie werde lebendig im geschwisterlichen Miteinander und in der Weggemeinschaft, die sich auch in „beglückenden Zusammenkünften über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg“ zeige ebenso wie im Leben einer einzelnen Gemeinde vor Ort. An der Kanzel hoben Fischer und Schenk die Vielfalt kirchlicher Traditionen hervor. Unterschiedliche Zugänge zu Christus seien keine Gegensätze, sondern Ausdruck gelebter Einheit: „Alle suchen Christus mit Ernst – und alle auf ihre Weise.“

Bei der Einführung würdigte der Württemberger Bischof Ernst-Wilhelm Gohl die neue Generalsekretärin als „kluge Theologin, die Menschen in wunderbarer Weise zugewandt ist“. Zugleich sei Schenk „ausgewiesene Ökumene-Expertin“, die die GEKE als „Netzwerk der Verständigung und Versöhnung“ weiterentwickeln werde. Mario Fischer dankte Gohl für seinen „unermüdlichen Einsatz“ in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern, die er „gestärkt und vertieft“ habe.

Bischöfin Richter: Selbstbewusst und aktiv auf Herausforderungen zugehen

Die Geschäftsstelle der GEKE hat seit 2007 ihren Sitz in Wien. Von hier aus entwickelt sie ihre Tätigkeit für 96 Mitgliedskirchen mit insgesamt 40 Millionen Mitgliedern. Darin liegen enorme „diplomatische Chancen und Aufgaben“, meinte die österreichische evangelisch-lutherische Bischöfin Cornelia Richter in ihrem Grußwort. Die GEKE biete ein „unverzichtbares Forum, weil sie vom aktiven und aufrichtigen Austausch lebt, weil wir in ihr voneinander lernen können, uns gegenseitig beraten und unterstützen“. In Krisenzeiten nehmen Kirchen und Religionsgemeinschaften „Gott sei Dank immer wieder eine tragende und dem Frieden dienende Rolle ein“, erklärte die Bischöfin, „sie helfen dabei, für einzelne Menschen und für die Gesellschaft als ganze Sinn, Gemeinschaft und Resilienz zu finden“. Es sei wichtig, „selbstbewusst und aktiv“ auf globale ebenso wie auf regionale Herausforderungen zuzugehen, dazu gehöre auch die Überzeugung, „dem drohenden neuen Fundamentalismus und der Tendenz zur Radikalisierung standzuhalten“. Dem scheidenden Generalsekretär dankte die Bischöfin, dass er die GEKE „mit beeindruckender Umsicht und Zukunftsorientierung“ geführt habe. Richter dankte auch der neuen Generalsekretärin, die die Agenden „nahtlos weiterführen“ und die „hohe Bedeutung der GEKE für Österreich und Europa theologisch und politisch nachhaltig zur Geltung bringen“ werde.

Der Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Frank-Dieter Fischbach, betonte die Bedeutung der Ökumene für Frieden und Zusammenhalt in Europa. Angesichts wachsender nationaler Abschottung und gesellschaftlicher Polarisierung sei das gemeinsame christliche Zeugnis unverzichtbar und die Bedeutung ökumenischer internationaler Zusammenarbeit „nicht zu unterschätzen“.

Martin Fischer, Vertreter des Kultusamtes im Bundeskanzleramt, hob die institutionelle Entwicklung der GEKE in Wien hervor. Besonders die Anerkennung als Körperschaft öffentlichen Rechts im Jahr 2019 habe die operative Handlungsfähigkeit entscheidend gestärkt. Der Staat Österreich sehe es als „großes Renommee“, dass sich der Sitz der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa in Wien befinde, so der Vertreter des Kultusamtes.

Ins Amt einführt wurde Susanne Schenk durch die Präsidentin der GEKE, Rita Famos (Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz) gemeinsam mit den Ko-Präsidenten Bischof Marko Tiitus (Estnische Kirche) und Theologieprofessor Georg Plasger (D). Die Liturgie gestalteten die österreichische evangelisch-lutherische Oberkirchenrätin Ingrid Bacher gemeinsam mit der stellvertretenden Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrike Scherf, sowie mehreren Vertreterinnen und Vertretern aus GEKE-Mitgliedskirchen. Für die musikalische Gestaltung sorgte ein internationales Ensemble u.a. mit Landeskantor Matthias Krampe (Orgel), Bischof Rolf Bareis (Trompete), Sophie Schenk (Orgel), Rev. Sam Rajumar (Keyboard), Pfarrer Gerhard Servatius-Depner (Geige) und Magdalena Bruckmüller (Gesang).

Zu den Personen

Mit Dr. Susanne Schenk übernimmt eine Theologin der Evangelischen Landeskirche in Württemberg das Amt der Generalsekretärin. Sie war zuvor als Ökumenereferentin mit Schwerpunkt auf interkonfessionellen Dialogen und europäischen Kirchenbeziehungen tätig.

Der scheidende Generalsekretär Dr. Mario Fischer (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) leitete die GEKE seit 2019. In seiner Amtszeit wurden die kirchliche Gemeinschaft in Europa vertieft, neue Kirchen aufgenommen sowie die Zusammenarbeit mit anderen christlichen Traditionen ausgebaut. Zudem wurde die GEKE als Körperschaft öffentlichen Rechts in Österreich etabliert und als internationale NGO beim Europarat registriert. Fischer wechselt zum 1. Mai 2026 an das Konfessionskundliche Institut in Bensheim.

Zur GEKE

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist die protestantische Stimme Europas für 40 Millionen Gläubige. Ihr gehören 96 lutherische, reformierte, unierte und methodistische Kirchen in Europa und Übersee an. Die GEKE hat ihren Sitz seit 2007 in Wien.

Mit der Leuenberger Konkordie wurde 1973 ein kirchlicher Brückenschlag historischer Dimension vollzogen: Die gegenseitige Anerkennung der evangelischen Kirchen in Europa. Seither kann z.B. eine lutherische Pfarrerin auf einer reformierten Kanzel predigen und ein reformierter Gläubiger das Abendmahl bei einem lutherischen Gottesdienst empfangen.

Nähere Informationen zur GEKE finden Sie unter:
leuenberg.eu

Weitere Artikel

Nach Oben