Protestaktion vor dem Parlament: Hilfsorganisationen pochen auf umfassende Pflegereform

 
von Evangelischer Pressedienst

Diakonie und andere beklagen fehlende Finanzierung für Ausbau der Langzeitpflege

Wien (epdÖ) – Die Hilfsorganisationen Diakonie, Caritas, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe haben bei der Aktion „Blackbox Pflegepolitik“ vor dem Parlament am Dienstag, 12. Mai, für eine umfassende, transparente und zukunftsfähige Pflegereform protestiert. Die fünf Organisationen, die sich in der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) zusammengeschlossen haben, beklagten am Internationalen Tag der Pflegenden fehlende finanzielle Mittel für notwendige Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen. Die vor dem Parlament positionierte Blackbox stehe symbolisch für die „Erfahrungen, Erkenntnisse und Lösungsvorschläge, aber auch die Nöte und Bedarfslagen der Betroffenen“, die im „Nichts“ verschwinden würden, betonte Elisabeth Anselm, BAG-Vorsitzende und Hilfswerk-Geschäftsführerin.

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Diakonie habe „zum bestürzenden Ergebnis geführt, dass die Hälfte der österreichischen Bevölkerung nicht weiß, wie sie an Informationen über Unterstützungsangebote kommen soll, hätte eine angehörige Person plötzlich Pflegebedarf“, räumte Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich, ein. Noch dramatischer sei, dass zwei Drittel der Bevölkerung der Meinung seien, ältere und pflegebedürftige Personen bekämen nicht die Unterstützung, die sie brauchen. Moser: „Die Angebote sind in der Tat von althergebrachten Leistungskatalogen geprägt. Das System bestimmt das Angebot, nicht der Mensch. Menschen, die zu Hause gepflegt werden, haben im Schnitt 20 Minuten Unterstützung am Tag.“ Forderungen nach Angeboten für Betreuung und Langzeitpflege, die den Menschen und seine Bedürfnisse ins Zentrum stellen, „landen seit Jahren in der ‚Blackbox Pflege‘“. Das führe laut Moser dazu, „dass Menschen oft viel zu früh ins Heim müssen. Das ist volkswirtschaftlich teuer und nicht das, was die Betroffenen wollen.“

Mehr Unterstützung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen

Obwohl der Bedarf an Pflege seit Jahren steige und weiter ansteigen werde, würde die Langzeitpflege politisch noch immer wie ein Nebenthema behandelt werden, kritisierte Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas Österreich. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, die selbst oft schon alt und belastet seien, bräuchten mehr Unterstützung. „Über 80 Prozent der Menschen mit Pflegebedarf werden zu Hause betreut – meistens von Angehörigen. Dort, wo Menschen eigentlich bleiben wollen“, betonte Parr. Aber genau dort sei die Belastung oft am größten – organisatorisch und finanziell. Es brauche daher einen „zügigen“ Ausbau der Langzeitpflege, um unnötige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

3,4 Millionen Einsatzfahrten verzeichnet das Rote Kreuz pro Jahr, wie Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes berichtete. Ein großer Teil entfalle auf Transporte Pflegebedürftiger vom und zum Spital. Viele Fahrten ließen sich vermeiden sowie Behandlungswartezeiten verkürzen, wenn Menschen durch mobile Dienste zu Hause gepflegt werden könnten und Reha-Kapazitäten ausgebaut würden.

Grundlegende Reform des Pflegegeldes

„Menschenwürde und sichere Pflege darf keine Frage des Einkommens oder des Wohnorts sein“, forderte Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich. Vier Fünftel der Menschen in Österreich würden im Alter in ihren eigenen vier Wänden gepflegt werden wollen. Es brauche eine grundlegende Reform des Pflegegeldes sowie eine langfristige Finanzierungsstrategie für Pflege und Betreuung, so seine Forderung.

Die BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt) ist der größte Verbund von Langzeitpflege-Anbietern in Österreich. Seit 1995 haben sich die großen gemeinnützigen Sozialorganisationen Österreichs – Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe – zusammengeschlossen. Im BAG-Verbund sind rund 22.500 Menschen in Pflege und Betreuung beschäftigt. Sie pflegen und begleiten 155.000 Menschen in mobiler und stationärer Pflege sowie in sonstigen Betreuungsformen.

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