Dialog mit Gott

 
von Evangelischer Pressedienst

Michael Chalupka über die Klänge von Arvo Pärt

Mein Mobiltelefon schrillt nicht, und es spielt keine Lieblingsmelodie. Bei Anruf ertönen drei Glockenschläge. Die Glocken stören kaum, man meint in der Ferne eine Kirchenglocke zu hören. Ich verdanke sie dem estnischen Komponisten Arvo Pärt, der seinen „Cantus in memoriam Benjamin Britten“ mit diesen Klängen anheben lässt. Er hat dieses Werk als Würdigung nach dem Ableben des britischen Komponisten Benjamin Britten geschrieben. Heuer jährt sich dessen Todestag zum 50. Mal.

Die beiden haben sich nie persönlich kennengelernt. Estland war Teil der Sowjetunion. Arvo Pärt konnte das Land bis zu seiner Emigration im Jahr 1980 nicht verlassen. Als Pärt vom Tod Brittens erfuhr, war er tief erschüttert und verspürte eine Art „unerklärlicher Schuld“. Er hatte den Kollegen gerade erst für sich entdeckt und widmete ihm daraufhin 1977 das Werk mit den drei Glockenschlägen. Es ist eine Meditation über die Vergänglichkeit und Sehnsucht nach Begegnung. Für Arvo Pärt ist Musik jener Ort, an dem „ein Dialog mit Gott“ entstehen kann.

Damit sind die drei Glockenschläge für mich auch immer eine Garantie, dass mich der Anruf nicht nervt, sondern die Möglichkeit der Begegnung und des Dialogs, der sonst vielleicht versäumt würde, in den Raum stellt. Nicht jede Musik ist ein Dialog mit Gott, und nicht jedes Gespräch bringt einen weiter. Aber ich bin immer wieder voller Hoffnung, wenn die Glocken schlagen.

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