Aufatmen

 
von Evangelischer Pressedienst

Michael Chalupka über den Sinn des Urlaubs

Atem schöpfen. Aufatmen. Dazu ist der Urlaub da. Auch wenn unterm Jahr so manche Belastung weggeatmet werden muss, einem die Luft weg bleibt vor Wut, der Atem vor Schreck stockt oder man den Terminen hinterher hechelt.

Im Urlaub gilt es, Atem zu schöpfen. Jeder Atemzug schenkt uns Leben. Ohne geht es nicht. Und trotzdem schenken wir ihm so wenig Beachtung. Es passiert einfach. Mal schneller, mal langsamer, zwischen 12- und 18-mal in der Minute. Pro Tag atmen wir durchschnittlich 12.000 Liter Luft ein, und die Oberfläche unserer Bronchien entspricht der Größe eines Fußballfelds, habe ich gerade in meiner Kur in einem Luftkurort gelernt.

Der Atem ist Leben. Und er ist mehr als rein biologische Vorgänge. Der verstorbene Schweizer Dichter und Pfarrer Kurt Marti hat diesem Gedanken schöne Worte gegeben: „Mein Atem geht – was will er sagen? Vielleicht: Schau! Hör! Riech! Schmeck! Greif! Lebe! Vielleicht: Gott atmet in dir mehr als du selbst. Und auch: In allen Menschen, Tieren, Pflanzen atmet er wie in dir. Und so: Freude den Sinnen! Lust den Geschöpfen! Frieden den Seelen!“

Was will der Atem sagen? Um darauf eine Antwort zu finden, muss man ihm zuerst zuhören. Atem schöpfen. Aufatmen. Dazu ist der Urlaub da. Wer weiß, vielleicht hört der eine oder die andere dann im eigenen Atem den Widerhall des göttlichen Odems, der uns das Leben schenkt. Vielleicht. Der Versuch ist es wert, und gesund ist es obendrein.

Weitere Artikel

Nach Oben