Festakt in Wien würdigte Widerstandskämpfer Bernardis und Schmid
Trauner zum „Tag des militärischen Widerstands“: Beide Männer im Humanismus verbunden
Wien (epdÖ) – Mit einem Festakt in der Roßauer Kaserne Bernardis-Schmid sowie einer Gedenkfeier auf dem Heldenplatz wurde am Freitag, 7. August, der „Tag des militärischen Widerstands“ begangen. Zudem standen eine Diskussionsrunde und kostenlose Führungen auf dem Programm. Bei der Veranstaltung am Vortag des eigentlichen Gedenktages wurde der Soldaten gedacht, die sich mit Mut und Verantwortungsbewusstsein dem NS-Regime widersetzten.
Der Verbindungsoffizier Robert Bernardis wurde 1941 Zeuge von Massenerschießungen, und in Charkiw erlebte er, wie hunderte, meist jüdische Einwohner in den Straßen öffentlich gehängt wurden. Bernardis schloss sich den Umsturzplänen zur „Operation Walküre“ an. Der von Stauffenberg geplante Umsturzversuch hätte dem NS-Regime und dem Zweiten Weltkrieg ein Ende bereiten sollen. Nach seiner Verhaftung wurde Bernardis und weiteren Mitverschwörern ein Schauprozess gemacht, der mit dem Todesurteil durch den berüchtigten Richter Roland Freisler endete.
Militärsuperintendent Karl-Reinhart Trauner zeichnete im Rahmen des Festakts die Wege des evangelischen Widerstandskämpfers Robert Bernardis und des katholischen Widerstandskämpfers Anton Schmid nach. Bernardis sei Trauner zufolge zunächst Teil des Systems gewesen, habe dann aber die Gräuel, vor allem an der jüdischen Bevölkerung, in Osteuropa miterlebt und sei daran „innerlich zerbrochen“. Ein langes und zähes Ringen um „das Richtige“ sei die Folge gewesen. Schmid habe begonnen, im Kleinen zu helfen und Jüdinnen und Juden zu retten. Was diese beiden so ungleichen Männer verbinde, sei ihr Humanismus, so der Militärgeistliche.
Bei der Gedenkveranstaltung in der Lichthofaula der Kaserne u.a. im Beisein von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, dem Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums (HGM) Georg Hoffmann sowie Ingeborg Heidlberger, Enkelin von Robert Bernardis, wurde zur Würdigung des Einsatzes von Soldaten, die Widerstand gegen das NS-Regime leisteten, ein Kranz niedergelegt.
Im Rahmen einer anschließenden Gedenkzeremonie beim Äußeren Burgtor am Wiener Heldenplatz sprachen Tanner und der Historiker Peter Steinbach, ehemaliger wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, sowie Dieter Binder von der Militärischen Denkmalkommission.
Heidlberger sowie fünf Grundwehrdiener lasen aus Briefen von Widerstandskämpfern. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Militärmusik Niederösterreich. Bereits vor dem Festakt hatte es anlässlich des Gedenktages Führungen für Grundwehrdiener:innen durch die Ausstellung „Gewalt – Gesellschaft“ im Heeresgeschichtlichen Museum gegeben.
Diskussion über militärischen Widerstand
Am Nachmittag fand im Weltmuseum Wien eine Diskussion mit Expertinnen und Experten zur Frage „Was gilt als militärischer Widerstand?“ statt. Es diskutierten Maria Fritsche (HGM), Claudia Kuretsidis-Haider (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes / DÖW), Hanin Hannouch (Kuratorin Weltmuseum Wien) und General Bruno Hofbauer. Dabei beleuchteten sie historische und koloniale Perspektiven auf den Begriff des militärischen Widerstands. Außerdem wurden am Nachmittag zwei Stunden lang kostenlose Führungen durch das Kulturvermittlungsteam des HGM im Äußeren Burgtor angeboten. Im Mittelpunkt standen die Geschichte des Heldendenkmals, dessen nationalsozialistische Überformung sowie der Wandel der österreichischen Erinnerungskultur.
Auch am Gedenktag selbst, am Samstag, 8. August, fanden öffentliche Führungen bei freiem Eintritt statt: Von 10 bis 15 Uhr wurden Führungen im Äußeren Burgtor mit der HGM-Kulturvermittlung angeboten. Zudem bot eine Überblicksführung Einblicke in die Sammlung des Heeresgeschichtlichen Museums.
Der „Tag des militärischen Widerstands“ wurde 2025 von der Militärhistorischen Denkmalkommission eingeführt und erinnert an die Hinrichtung des österreichischen Widerstandskämpfers Oberstleutnant Robert Bernardis am 8. August 1944 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee. Bernardis war an dem gescheiterten Stauffenberg-Attentat an Adolf Hitler beteiligt gewesen. 2020 wurde der Roßauer-Kaserne der Traditionsname „Bernardis-Schmid“ verliehen.