Von Herzen

 
von Evangelischer Pressedienst

Michael Chalupka über Stärke in der Verletzlichkeit

Viele nette Menschen habe ich in den letzten Wochen getroffen. Höflich und zuvorkommend. Am Buffet haben sie einander den Vortritt gelassen, einander zugelächelt, wenn es zu Wartezeiten gekommen ist, weil die eine oder der andere beim Fruchtsalat jedes einzelne Stückchen der reifen Wassermelone bedächtig in ihr Schüsselchen verfrachtet hat. Der Umgang mit- und untereinander war rücksichtsvoll, aber offen. Viele erzählten von sich.

Gemeinsam war den Frauen und Männern, dass ihnen etwas sehr zu Herzen gegangen ist. Des einen Herz raste dahin, des anderen hatte Aussetzer. Der dritte hatte nur knapp überlebt, die vierte mit dem Druck zu kämpfen, dem ihr Herz alltäglich zu widerstehen hat. Sie alle hatten erlebt, was es heißt, mitten im Leben verletzlich und verwundbar zu sein.

Eine Herzerkrankung macht aus uns keine besseren Menschen. Niemand muss Leid erlebt haben, um mit seinen Mitmenschen respektvoll umzugehen und mitfühlen zu können. Es sollte doch genügen, um die eigene Verletzlichkeit zu wissen und auch dann, wenn man sich gerade unbesiegbar fühlt, berührbar zu bleiben. Wenn es im 2. Brief des Apostel Paulus an die Korinther heißt: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ – dann ist das nicht nur ein Versprechen, dass Gott den Mühseligen und Beladenen beisteht, sondern die Beschreibung der Stärke, die in der Verletzlichkeit liegt.

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