Allianz für den freien Sonntag: Warnung vor Wandel zu Verkaufstag
25-Jahr-Feier im Wiener Rathaus
Wien (epdÖ) – Die „Allianz für den freien Sonntag Österreich“ (Sonntagsallianz) warnt davor, den Sonntag schrittweise zu einem gewöhnlichen Verkaufstag zu machen. Auch zum 25. Geburtstag bleibt der Sonntag für die Allianz „ein besonderer und verlässlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens“. Zur Feier des Jubiläums findet am Donnerstag, 1. Oktober um 14 Uhr ein Festakt im Wiener Rathaus unter dem Titel „Demokratie braucht einen freien Sonntag“ statt.
Die aktuelle Forderung des WKO-Handelsobmanns nach bis zu zehn verkaufsoffenen Sonntagen betreffe laut Aussendung der Sonntagsallianz nicht nur Konsum-, sondern auch Freizeitgestaltungsfragen. „Der Sonntag gibt der Woche einen gemeinsamen Rhythmus und schafft Raum für Familie, Freunde, Kultur, Sport, Vereine und Erholung“, erklärt Antonia Indrak-Rabl, kirchliche Sprecherin der Wiener Sonntagsallianz. Diesem Urteil schließt sich auch der evangelische Superintendent Matthias Geist an. Denn: „Eine Gesellschaft, die keine Pause mehr kennt, verliert ihre Menschlichkeit.“ Wirtschaftlicher Erfolg allein könne daher kein Maßstab für gesellschaftlichen Fortschritt sein. Denn der gemeinsame freie Sonntag schaffe in einer Gesellschaft kollektiver Müdigkeit ein Bewusstsein dafür, dass mentales Wohlbefinden und sozialer Friede für unsere Gesellschaft langfristig wertvoller sind als wirtschaftlicher Erfolg.
Superintendent Geist: Sonntag als „Oase des Lebens“
Der Sonntag sei deshalb nicht bloß eine Frage der Arbeitszeit, sondern ein gesellschaftlicher Schutzraum. In allen Lebensbelangen könne viel gewonnen werden, ist Geist überzeugt: „Gerade wenn viele Menschen erschöpft und überfordert sind, ist der Sonntag eine Oase des Lebens – für Familien, Gemeinschaft, Erholung und das Auftanken der Seele.“
Gleichzeitig erkennt die Sonntagsallianz die zahlreichen Herausforderungen des Handels an. Etwa der Onlinehandel oder die Entwicklung der Innenstädte stellen die Branche vor neue Aufgaben. Längere Öffnungszeiten seien aber keine Antwort auf diese Veränderungen. „Die Konsumausgaben der Bevölkerung sind begrenzt. Zusätzliche Öffnungszeiten können auch dazu führen, dass Einkäufe lediglich auf weitere Tage verteilt werden“, so Christian Lindmeier, gewerkschaftlicher Sprecher der Wiener Sonntagsallianz.
Jubiläum betont Aktualität
Das 25-Jahr-Jubiläum wird in der Volkshalle des Wiener Rathauses gefeiert. Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung hält zunächst die Politikwissenschaftlerin Sieglinde Rosenberger einen Vortrag zum Thema „Demokratie braucht einen freien Sonntag“. Anschließend diskutieren Vertreter von Arbeiterkammer, Kirchen, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft über den gesellschaftlichen Wert von Freizeit sowie die Herausforderungen einer zunehmend flexibilisierten Arbeitswelt. Neben Superintendent Matthias Geist werden auch Superintendentialkuratorin Petra Mandl, Oberkirchenrat Günter Köber und Kirchenrätin Andrea Sölkner seitens der Evangelischen Kirche teilnehmen. (Weitere Informationen: www.freiersonntag.at)
Die bundesweite Allianz für den freien Sonntag wurde im Oktober 2001 gegründet. Heute gehören ihr mehr als fünfzig Organisationen aus Kirchen, Gewerkschaften, Arbeiterkammer und Zivilgesellschaft an. Gemeinsam setzen sie sich für den freien Sonntag als Zeit für Familie, Ehrenamt und gesellschaftliche Teilhabe ein. Dabei erkennt die Allianz an, dass Sonntagsarbeit in Bereichen wie dem Gesundheitswesen, bei Einsatzorganisationen oder im öffentlichen Verkehr unverzichtbar ist. Dennoch müsse Erwerbsarbeit am Sonntag die Ausnahme bleiben.