DANKE
Michael Chalupka würdigt das Wirken von Bischof Maximilian Aichern
Wir hatten die gleiche Berufung. Er fast 30 Jahre älter als ich, war mir ein Vorbild darin, wie er diese Berufung gelebt hat, – ein unerreichtes Vorbild.
Bischof Maximilian Aichern von Linz hatte die freundlichsten Augen der Welt. Sein Lieblingswort war „Danke“. Obwohl er ein stattlicher Mann gewesen ist, war er außerhalb seiner Diözese wenig bekannt. Er arbeitete lieber zu Hause.
Bischof Aichern hat viele stille Zeichen gesetzt, die allzu wenig wahrgenommen wurden, die aber dazu beitrugen, alte Gräben zwischen den Kirchen zuzuschütten. Beim Bummerlhaus in Steyr hat er daran erinnert, dass dieses Haus im Mittelalter ein Zentrum der Waldenserkirche, der ersten evangelischen Kirche auf österreichischem Boden, war. Den evangelischen Opfern der Bauernkriege in Lambach hat er die Ehre erwiesen. Er war die treibende Kraft hinter dem ökumenischen Sozialwort der Kirchen des Ökumenischen Rates aller Kirchen in Österreich. Gemeinsam mit ihm durfte ich vor mehr als 20 Jahren nach Brüssel reisen, um bei der Europäischen Kommission die soziale Verantwortung anzumahnen. Auch das hat er mit großem Nachdruck in der Sache und großer Ruhe und Freundlichkeit getan.
Die Anlässe, die nach Versöhnung gerufen haben, mögen lange Zeit zurückliegen. Aber einmal musste einer den Ruf hören und darauf antworten, und das war der Bischof von Linz. Nun ist er mit 93 heimgegangen, wie er wohl gesagt hätte. Danke! Danke!