Oberösterreich erinnert an Bauernkrieg 1626

 
von Evangelischer Pressedienst

Zahlreiche Veranstaltungen auf den Spuren des Bauernkriegs

Linz (epdÖ) – Der oberösterreichische Bauernkrieg vor 400 Jahren steht im Fokus zahlreicher Veranstaltungen. Mit einem breit angelegten Kulturprogramm und dem Leitmotiv „Mut“ widmet sich die „communale oö 2026“ mit rund 130 Projekten an 27 Orten vom 16. Mai bis November dem Gedenken an die Geschehnisse von 1626. Die „communale oö 2026“ will so die Ereignisse von 1626 aus heutiger Perspektive neu befragen und künstlerisch vermitteln.

Konkret stehen 130 Projekte (aus 400 Einreichungen) in 27 Gemeinden an. Das Programm der „communale oö 2026“ reicht von Volkskultur bis zeitgenössische Kunst und wird dezentral an sogenannten Themen- und Impulsorten umgesetzt, darunter auch sogenannte „Mut-Orte“ wie Gmunden, Ottensheim, Pram sowie Peuerbach. Zehn Projekte bieten Schwerpunkte (Themenorte), die anderen (Impulsorte) verschreiben sich „Einzelaktionen“. Allen gemein ist das Motto, das die Wut von 1626 ins Gegenteil verkehren soll: Mut. Auch Frieden, Zivilcourage und Gleichwertigkeit werden in den Programmpunkten beleuchtet.

Die zentrale Ausstellung „Bauernkrieg 1626 – Zwischen Geschichte und Fiktion“ mit einer kritischen Betrachtung der Quellen und Bestände wird am 8. Mai im Schlossmuseum Linz eröffnet.

Haag am Hausruck – die Heimat von Widerständler Achaz Wiellinger – wählte das Motto „Mut zum laut sei: aufsteh und g’hert werdn“. Am 9. Mai eröffnet dazu die Schau „Rebellen!“ im Heimatmuseum im Schloss Starhemberg. Hier wurden Aufständische gefangen gehalten und auch hingerichtet. Basierend auf Verhörprotokollen aus dem Schlossarchiv und Briefen werden Einzelschicksale beleuchtet.

Im Geburtsort von Bauernführer Stefan Fadinger (um 1585-1626) in St. Agatha hat man sich das Motto „Mut zu Tradition und Brauchtum: gwurzlt & gwochsn“ verpasst. Hier lädt man u.a. am 30. Mai zu „Land und Wille“. Mit großem Blasorchester und Männergesangsverein wird, basierend auf einer Neubearbeitung eines Werks des Haager Komponisten Georg Wiesinger, von den Bauernkriegen musikalisch und darstellerisch erzählt.

In Meggenhofen bringt Regisseur Georg Schmiedleitner am 3. Juni die von Fritz Egger verfasste Tragikomödie „Spaltboden“ zur Uraufführung – Theater zwischen (moderner) Landwirtschaft, Liebe, Familie, Tourismus und dem „Frankenburger Würfelspiel“.

Darüber hinaus sind auch Veranstaltungen mit Blick auf Religion geplant, wie ein „LandLaut Forum – Ein qualitativer, diskursiver Abend zwischen Geschichte, Heimatforschung und Religion“ am 19. Juni in Lembach im Mühlkreis.

Zudem läuft unter dem Titel „OÖ 1626: Meine, deine, unsere Geschichte?“ eine Veranstaltungsreihe mit verschiedenen Perspektiven zum Hinhören und Austauschen.
Die fünf Teile der Veranstaltungsreihe an wechselnden Orten bieten Kurzreferate, moderierte Diskussionen und Raum für Meinungsaustausch. Veranstalter ist das Evangelische Bildungswerk Oberösterreich (EBW-OÖ) in Kooperation mit dem Albert Schweitzer Haus Forum (ASH-Forum), dem Evangelischen Museum OÖ und der communale oö 2026 sowie örtlichen Gemeinden:

Der erste Abend in dieser Reihe findet am 8. Mai von 17 bis 18.30 Uhr im Würfelspielhaus Frankenburg statt, weitere Termine folgen im Emlinger Holz Eferding, am Bauernhügel Pinsdorf und beim Bauernkriegsdenkmal Wolfsegg. Mehr Infos und genaue Termine finden Sie hier.

„Frauen-Tragen – Die Rollen der Frauen am Beispiel des Bauernkrieges 1626“ lautet der Titel einer weiteren Veranstaltung im Evangelischen Museum OÖ am Dienstag, 19. Mai um 18.00 Uhr. Nach dem Impulsreferat zu der Frage „Männer sind stark im Kämpfen, Frauen im Tragen?“ folgt eine Podiumsdiskussion mit Oberkirchenrätin Ingrid Bachler, Klara Csiszar (Katholische Privatuniversität Linz), Ilse Achleitner (Biohof Achleitner) und Generalmajorin Silvia Sperandio (Österreichisches Bundesheer).

Symposium im Stift Kremsmünster

Im Vorfeld der Veranstaltungsreihe hat sich bereits am 18. April ein Symposium im Stift Kremsmünster mit den historischen Hintergründen beschäftigt. Religiöse Spannungen, soziale Missstände und Fremdherrschaft hätten Historikern zufolge den Konflikt maßgeblich ausgelöst. Der oberösterreichische Superintendent Gerold Lehner stellte dabei Fragen nach Wahrheitsansprüchen, Freiheit und dem Umgang mit Differenzen in den Mittelpunkt. Der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer verwies auf das Spannungsfeld zwischen Glauben und politischer Ordnung und betonte, Macht müsse „unter das Maß der Gerechtigkeit und der Wahrheit“ gestellt werden. Der Kirchenhistoriker Philipp Pilhofer zog Parallelen zum deutschen Bauernkrieg, und Gerhard Schwentner, Direktor des Diözesanarchivs, beleuchtete die Rolle der Katholischen Kirche.

Als unmittelbare Auslöser des Aufstands wurden die Rekatholisierung sowie die bayerische Fremdherrschaft genannt. Ziel der Bauern sei es gewesen, diese Herrschaft zu beenden und ihren Glauben zu bewahren. Auch soziale Faktoren wie Abgaben, Zwangsleistungen und wirtschaftliche Not hätten die Erhebung begünstigt. Harte Arbeit, Armut und die Abhängigkeit von Kirche und Adel hatten im 17. Jahrhundert das Leben in Oberösterreich geprägt. Dazu kamen der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648), Seuchen, Krankheiten sowie die „Kleine Eiszeit“. All dies, wie in dem Symposium hervorgehoben wurde, hatte den Nährboden des Bauernkriegs gebildet.

Am 10. Oktober 1625 wurden die mehrheitlich evangelischen Bürger im „Land ob der Enns“ – damals an Herzog Maximilian von Bayern verpfändet – gezwungen, bis Ostern katholisch zu werden oder das Land zu verlassen. Am 17. Mai 1626 starben sechs bayerische Soldaten als Folge einer Rauferei in Lembach, was als Auftakt des Bauernkriegs gilt. Anführer Stefan Fadinger starb am 5. Juli 1626 an den Folgen einer Verletzung in Ebelsberg. Aufständische, bayerische und kaiserliche Truppen kämpften in der Folge bis zur finalen Niederlage der Rebellen am 20. November 1626. Am 26. März 1627 wurden die überlebenden Hauptakteure in Linz hingerichtet.

Das Symposium im Stift Kremsmünster war eine Kooperation der Evangelischen und der Katholischen Kirche mit der „Communale“, welche die historische Aufarbeitung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen verbindet. „Im Zentrum steht die Frage, wie wir heute zusammenleben wollen, welcher Mut dafür nötig ist, Differenzen auszuhalten, Kooperationen zu wagen und Veränderungen zuzulassen“, erklärte dazu dessen künstlerischem Leiter Martin Honzik auf der Website des Kulturprojekts.

Infos unter: communale.at

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