Salzburg-Tirol: Fachinspektor Peter Pröglhöf von seinem Amt entpflichtet

 
von Evangelischer Pressedienst

„Religionsunterricht zeigt: Ein anderes Lernen ist möglich“

Hallein (epdÖ) – In einem feierlichen Gottesdienst in der Schaitbergerkirche Hallein wurde Fachinspektor Peter Pröglhöf am Mittwoch, 17. Juni, durch Superintendent Olivier Dantine von seinem Amt entpflichtet. Nach seiner Tätigkeit als Pfarrer wirkte Pröglhöf 26 Jahre lang als Fachinspektor für den Evangelischen Religionsunterricht an allgemeinbildenden Schulen in Salzburg und Tirol, später auch für den Bereich der weiterführenden Schulen und schließlich für Vorarlberg. Zahlreiche Gäste aus Kirche, Bildung und Ökumene – etwa die Fachinspektor:innen für evangelische Religion aus ganz Österreich – würdigten Pröglhöfs Einsatz als Fachinspektor, Seelsorger, Brückenbauer und engagierten Gestalter der Kirche. Die Entpflichtung wurde als Kantatengottesdienst gefeiert. Zur Aufführung gelangte die Bach-Kantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ durch das Ensemble „BachWerkVokal Salzburg“ unter der Leitung von Diözesankantor Gordon Safari.

Vonseiten des Oberkirchenrates dankten Oberkirchenrätin Ingrid Bachler und Oberkirchenrätin Eva Lahnsteiner für Pröglhöfs Dienst als „Pfarrer, als Fachinspektor, Mentor, Seelsorger und als engagierter Gestalter unserer Kirche“. Er habe es „auf bewundernswerte Weise verstanden, durch deinen persönlichen Einsatz und durch die Qualität deiner Arbeit Akzeptanz zu schaffen und Entwicklungen anzustoßen, die unsere Kirche nachhaltig geprägt haben“. Mit großer Klarheit und Beharrlichkeit habe er Fragen der Gleichbehandlung eingebracht. „Besonders wichtig war dein Einsatz für die rechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften in der Evangelischen Kirche in Österreich“, betonten die Oberkirchenrätinnen. Er habe damit wichtige Debatten angestoßen, Brücken gebaut und Veränderungen ermöglicht, „nicht nur innerhalb unserer Kirche, sondern auch weit darüber hinaus“.

Dantine: „Zielgerichtet, mit Geduld und Beharrlichkeit“

In seiner Festpredigt widmete sich Superintendent Olivier Dantine der Versorgung durch Gott, dem Sich-Sorgen für andere und der Hoffnung. Christliche Hoffnung führe nicht dazu, „sich beruhigt ins fromme Kammerl zurückzuziehen, sondern hinauszugehen und sich der Welt in Liebe zuzuwenden“, so Dantine. Genau das habe man in allen Arbeitsbereichen Pröglhöfs gespürt: Sei es als Fachinspektor, „wo du an einer Schaltstelle zwischen Kirche und Staat warst, und damit diese Weltzugewandtheit der Kirche nicht nur repräsentierst sondern auch lebst“. Gleichermaßen auch in der Schulseelsorge oder der Kirchenmusik, „die die christliche Verkündigung auch für Menschen außerhalb der Kirche zugänglich macht“. Nicht zuletzt sei an Pröglhöfs Einsatz für die Anerkennung und Gleichstellung von Menschen der LGBTIQ+ Community in der Evangelischen Kirche und für die Hochzeit gleichgeschlechtlicher Paare zu denken. „Ich habe dich dabei einerseits sehr zielgerichtet, und doch mit Geduld und Beharrlichkeit erlebt. Also mit dieser christlichen Gelassenheit, die nicht einfach hinnimmt, was ist, aber beharrlich daran arbeitet, dass es besser wird“, so der Superintendent.

Religionsunterricht als Lernort für Frieden

In seiner Dankesrede bekannte Pröglhöf, dass die Fachinspektorenstelle „ehrlich gesagt nicht Liebe auf den ersten Blick“ gewesen sei, „sondern ein langsames Erkennen, dass das tatsächlich eine große Aufgabe, eine erfüllende Aufgabe sein kann“. Als Grundpfeiler eines Religionsunterrichtsverständnisses, das den Religionsunterricht als Teil der Allgemeinbildung und wesentliches Element der öffentlichen Schule sieht, nannte er „Miteinander und voneinander lernen, das Fremde wertschätzen, im Eigenen zuhause sein, den ganzen Menschen im Blick haben“. So sei es ihm wichtig gewesen, dass der Religionsunterricht „Stachel im Fleisch des Schulwesens“ bleibe. „Der Religionsunterricht zeigt: Ein anderes Lernen ist möglich.“ Ein Lernen, das nicht durch Notendruck, Kompetenzmessungen und Standardüberprüfungen geprägt ist, „sondern ein Lernen, das auf Liebe beruht: auf Beziehung, auf Freude am Lernen, auf Liebe zum Dialog“, betonte Pröglhöf.

Angesichts der aktuellen Kriege sei für ihn auch offenkundig, dass der Weg der Waffen immer der falsche sei. Pröglhöf: „Wer Gott vertraut, der kann auch lernen, dem Mut zum Frieden zu vertrauen. Ich halte das für eines der wichtigsten Zukunftsthemen, und der Religionsunterricht muss dafür ein Lernort sein.“

Nachfolgerin von Pröglhöf als Fachinspektorin ist die Salzburger Pfarrerin Karin Kirchtag.

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