Wien: Pfarrer und EAWM-Obmann Moritz Stroh verstorben
Superintendent Geist: „Sein beherzter Einsatz möge uns weiterhin bewegen“
Wien (epdÖ) – Moritz Johannes Stroh, Pfarrer, Religionslehrer und Obmann des Evangelischen Arbeitskreises für Weltmission (EAWM), ist am 24. März nach kurzem, schwerem Leiden verstorben. „Moritz Stroh wird uns in sehr vielgestaltiger Weise in Erinnerung bleiben. Seine Lebensweise, sein beherzter Einsatz für Menschen, seine Nahbarkeit und Herzenswärme wie auch seine mitunter streitbare Diskursfähigkeit mögen uns auch weiterhin bewegen“, schreiben der Wiener Superintendent Matthias Geist und Superintendentialkuratorin Petra Mandl in einem Nachruf.
Geist war Moritz Stroh seit über 35 Jahren persönlich verbunden und bezeichnet ihn als einen „überaus vielseitig begabten und liebenswürdigen Kollegen und Freund“. Mit seinem diakonischen, seelsorgerlichen und pädagogischen Engagement habe Stroh weit über die Grenzen Wiens und Österreichs gewirkt, betont Geist. „Sein unermüdlicher Einsatz für den einzelnen Menschen, aber auch für die Entwicklungszusammenarbeit mit den Projekten in Ghana haben mich immer bewegt. Beides ist und bleibt uns auch Auftrag für die Zukunft.“
Golda über Stroh: „Aufgabe als Obmann hervorragend gemeistert“
Ab 2014 war Moritz Stroh im Vorstand des Evangelischen Arbeitskreises für Weltmission aktiv und hat 2015 und 2018 Projektbesuche in Ghana mitorganisiert, bevor er 2020 zum Obmann gewählt wurde. Für den Evangelischen Pressedienst erinnert sich Manfred Golda, der 34 Jahre lang als EAWM-Obmann tätig war, wie es dazu kam: „2012 organisierte die Kirchenleitung eine Partnerschafts-Besuchsreise nach Ghana um die Presbyterian Church, die Projekte, die der EAWM finanzierte, und das Land kennen zu lernen. Bei den Teilnehmern war auch Moritz Stroh, der ja in Somalia aufgewachsen ist und dessen zweite Heimat Afrika war.“
Acht Jahre später übernahm Stroh als Goldas Nachfolger „mit viel Engagement seine Tätigkeit und engagierte sich für die Fortsetzung der Schulprojekte und die Errichtung von Lehrerhäusern in Bedaase und Chiransa. Diese sind weitgehend abgeschlossen.“ Stroh habe „neben seinem Beruf als engagierter Religionsprofessor seine Aufgabe als Obmann hervorragend und bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit gemeistert“, würdigt der pensionierte Pfarrer den Verstorbenen. „Wir können ihm dafür sehr dankbar sein!“
Einsatz für partnerschaftliches Handeln zwischen Kirchen, Gemeinden und Projektpartnern
„In der Zusammenarbeit habe ich Moritz Stroh als einen sehr zugewandten und zutiefst engagierten Menschen und Kollegen erlebt“, schreibt Maria Schulenburg gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Sein weltmissionarisches Verständnis „war von der Überzeugung getragen, dass kirchliche Partnerschaften nur als gemeinsames, partnerschaftliches Handeln zwischen Kirchen, Gemeinden und Projektpartnern im globalen Norden und Süden gelingen können, wobei für ihn stets die Beziehung vor der Struktur stand“, so die ehemalige Geschäftsleiterin beim EAWM und jetzige Referentin für kirchliche Partnerschaft und Bildung bei „Brot für die Welt“.
Diese Haltung Strohs habe sich besonders in seinem persönlichen Einsatz für die Beziehungen zu Projektpartnern in Ghana, Kamerun und Südsudan gezeigt. „Zugleich war es ihm ein zentrales Anliegen, dass die Themen der Weltmission auch unter veränderten strukturellen Bedingungen, nun unter Brot für die Welt, weitergeführt werden. Dafür hat er sich bis zuletzt eingesetzt. Er wird sehr fehlen“, schreibt Schulenburg weiter.
Ort christlicher Spiritualität zur Vertiefung des Glaubens
Ein besonderes Herzensanliegen war Moritz Stroh auch die Lichtklause in Deutschfeistritz in der Steiermark, ein Ort christlicher Spiritualität zur Vertiefung des Glaubens durch Meditation und Bibelgespräch. Moritz hat dieses Einkehrzentrum von seinen Eltern Heinz und Ulrike Stroh geerbt und erfüllte es gemeinsam mit dem Verein Lichtklause (dessen Obmann er war) und weiteren Weggefährt:innen mit Leben.
Biografisches:
Moritz Stroh wurde am 24. Juni 1965 in Tübingen/Deutschland geboren, wuchs in Baden-Württemberg, Sambia und der Steiermark auf. Als Pfarrerssohn war er durch die Mitarbeit in der Evangelischen Jugend motiviert worden, Theologie zu studieren. Er unterbrach das Studium zu Aufenthalten im südlichen Afrika und zu Zwecken der Sozialarbeit beim Evangelischen Flüchtlingsdienst. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Theologiestudiums begann er 1998 sein Lehrvikariat bei Pfarrer Gerhard Harkam in der Pfarrgemeinde A.B. Pinkafeld.
Danach setzte er seine Ausbildung in der Pfarrgemeinde A.B. Wien-Floridsdorf (Pfarrstelle Kagran) fort. Dort begann er auch ab 2001 seine Tätigkeit als geistlicher Amtsträger der neu gegründeten Pfarrgemeinde Wien-Kaisermühlen & Kagran. Nach der Niederlegung dieser Pfarrstelle im Jahr 2006 begab sich der mittlerweile auch in Kommunikationspädagogik geschulte Pfarrer vorrangig in den Religionsunterricht an verschiedenen Schulen im ABMHS-Bereich sowie in seine Lehrtätigkeit (Rhetorik), auch an der Universität Wien.
Ebenso setzte sich Stroh ehrenamtlich ein für verschiedene Randgruppen in Österreich, für Integrationsmaßnahmen und nicht zuletzt im Bereich des Evangelischen Arbeitskreises für Weltmission (EAWM) und in den Kontakten zur Ghanaischen Gemeinde und nach Ghana (etwa das Adumasa Aid Project).
Moritz Stroh hinterlässt seine Frau Claudia und eine erwachsene Tochter.
Sobald Ort und Termin der Verabschiedungsfeier feststehen, werden sie hier bekanntgegeben.