Im „SAAT“-Porträt: Daniel Noll
Ein Leben im Cockpit und an der Orgel
Wien (epdÖ) – In jeder Ausgabe der Evangelischen Zeitung für Österreich „SAAT“ wird eine Person vorgestellt, die sich ehrenamtlich in der Kirche engagiert. In der aktuellen Ausgabe ist es Daniel Noll aus Afritz.
„Man muss in beiden Fällen viele Tasten und Knöpfe beherrschen“, sagt Daniel Noll schmunzelnd. Und verweist damit auf eine Parallele zwischen seinem Beruf als Pilot und seiner Leidenschaft als Organist. „Außerdem braucht man volle Konzentration – vor dem Takeoff und vor dem Choralvorspiel!“
Geboren wurde Daniel Noll in Tomsk in Westsibirien, wo er in einem kleinen evangelischen Bethaus auch getauft wurde. Im Jahr 2000 übersiedelte er als Spätaussiedler nach Deutschland, studierte an der Universität Stuttgart Elektro- und Informationstechnik. Parallel dazu absolvierte Noll die Ausbildung zum Berufspiloten.
Nach einigen Jahren als IT-Administrator, Programmierer und Elektronik-Ingenieur in verschiedenen Firmen flog er zwei Jahre lang als First Officer für die Ryanair. Seit April 2024 pilotiert er Frachtflugzeuge der DHL durch ganz Europa. „Eine Boeing 757 hat eine maximale Zuladung von 36 Tonnen“, erzählt er der „SAAT“. Es sind also jedes Mal tausende Pakete, die er von der DHL-Basis in Leipzig auf ganz Europa verteilt. Auf 20 bis 30 Flüge, alle in der Nacht, kommt Noll pro Monat.
Faltbare Mini-Orgel fürs Üben im Hotel
Mit dabei hat er eine faltbare Mini-Orgel, auf der er im Hotel die Stücke für die nächsten Gottesdienste übt. Seit etwa 20 Jahren spielt Daniel Noll Orgel: „Ich durfte während meiner Konfirmationszeit in unserer Kirche in Stuttgart den Organisten beobachten. Das hat mich fasziniert und meinen Ehrgeiz geweckt, das mächtige Instrument auch einmal zu beherrschen.“
Seit 2019 lebt der Deutschlandrusse mit seiner Familie in Afritz am See in den Kärntner Nockbergen. Die „neue“ Orgel in der dortigen evangelischen Kirche geht auf seine Initiative zurück: „Sie stammt aus einer evangelisch-methodistischen Gemeinde aus Altensteig im Schwarzwald, da dort ein Gebetshaus aufgegeben werden musste.“
Nachdem es am Wochenende keinen Cargo-Flugbetrieb gibt, kann Daniel Noll in Afritz an vielen Sonntagen die Gemeinde mit Tasten, Pedalen und Registern erfreuen. Bleibt eine Frage: Wie kommt er eigentlich von Kärnten zu seiner Basis in Leipzig? „Ich fliege abends als Passagier mit der Frachtmaschine von Ljubljana aus und starte meinen Umlauf von Leipzig gegen Mitternacht.“
Ein Jahresabo der „SAAT“ können Sie hier bestellen.